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Schweiz - Das antideutscheste Staat in Europa Es wäre jemand, wie man sich einen Europäer ausmalt. In der Schweiz gibt es eine Arbeitslosenrate, die kaum erwähnenswert ist. Es ist so rein und gepflegt, dass man als Deutsche seinen eigenen Namen noch einmal überdenkt, dass wir Deutsche korrekt und geordnet sind.

Man erfährt in Zürich den wohl am besten organisierten ÖPNV dieses Erdballs und insgesamt hat man den Gefühl, dass man hier auch nachts durch die dunkelsten Winkel der Weltstadt (die es überhaupt nicht gibt) gehen könnte, ohne von irgendetwas gefährdet zu sein. Auch ein echtes Schweizerland hat wahrscheinlich nie darüber nachdenkt, ob es schädlich sein könnte, in einem der tausend Filzseen zu baden.

So konnten die Schweizern zufrieden sein, könnte man meinen. Die Schweiz hat sich eine verblüffende Basishysterie eingeprägt. Besonders wenn es um ausländische Personen im Allgemeinen und solche mit deutscher Herkunft im Speziellen geht. So hat zum Beispiel die Nationalrätin der SVP, Frau Rickli, jetzt (wieder einmal) gesagt, was viele Leute wahrscheinlich denken: Individuelle Dt. würden sie nicht belästigen, aber diese Menge an Dt. ist zu viel (man muss den Spruch wirklich auf der Sprache schmelzen lassen).

Das fügte er auch hinzu: In der Schweiz wohnen derzeit rund 1.000 Menschen, im Gegenteil, es wäre, als wären 2,7 Mio. Menschen in Deutschland. Wahrscheinlich ein unbeabsichtigt netter Vergleich: Wenn das der Fall wäre, würde der schweizerische Aktienanteil in Deutschland nicht einmal vier ausmachen.

Auch das Gegenteil ist der Fall: Nicht einmal vier Prozentpunkte der Gesamtbevölkerung der Schweiz sind in Deutschland. Rickli kam zu dem Schluss, dass sie befürchtet, dass sie in Zukunft nur noch von Bundesbürgern betreut, therapiert oder unterwiesen wird. Überhaupt nicht, schließlich sind 36 Prozentpunkte der Schweiz mit dieser Ansicht einverstanden. Bei vielen Schweizerinnen und Schweizern kommt die deutschsprachige Phobie von einigen seltsamen Reflexionen, keiner meiner schweizerischen Freundinnen konnte es mir bisher wirklich nachvollziehen.

Im Zürcher Büro wird ein hoher Beamter abberufen, ein Däne? Einen Deutschen? Auch darüber, dass Deutschland zurzeit Fachkräfte aus dem In- und Ausland rekrutiert, wird im gleichen Gremium eingehend nachgedacht. Es geht jedoch nicht darum, dass Deutschland verärgert sein könnte. Vielmehr ist die (absurde) Annahme verbreitet, dass inzwischen so viele billige Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland nach Deutschland kommen, dass die einheimische Bevölkerung in Scharen emigrieren muss.

Wo sonst als in der Schweiz? Die Tatsache, dass übrigens ein unsinniges Coverbild wie das der "Weltwoche", das einen Roma-Jungen mit einer Waffe in der Hand darstellt, in der Schweiz verhältnismässig wenig Aufsehen erregt, verdeutlicht, wie viel Ressentiment gegen alles Nichtschweizerische verfestigt ist. In Zürich ist das Image, das ein Deutscher regelmässig trifft, skurril.

"Die " Preisgestaltung wie in Deutschland ", inserieren dort Filialen, die auf ihre Angebote hinweisen. "Für den Zahnmediziner in Deutschland", heißt es als Anzeige in den Züricher Straßenbahnen. Damit ist Deutschland ein armes und von Verarmung bedrohtes Staatswesen, das keine andere Idee hat, als sich mit der Schweiz zu veredeln. Entsprechend ist das deutsche Lebensumfeld dort schwierig:

Nein, es gibt nicht an jeder Tafel ein Hinweisschild mit dem Sticker "Deutsche unerwünscht". Doch in den vielen kleinen Dingen des täglichen Lebens ist es spürbar; in der Tatsache, dass das Lachen einer Verkäuferinnen plötzlich enger wird, wenn sie merkt, dass sie es mit einer Deutschin zu tun hat. Die vielen großen und kleinen Neckereien in den Massenmedien, die seltsame Mischung aus schlichter Zurückweisung, Schließung und, ja, sogar das, ein eigentümlicher Kompliziert des Nachbars im "großen Kanton".

Im Jahr 2009 haben 57 Prozentpunkte der Schweiz das Minarett-Verbot mit "Ja" beantwortet; im Jahr 2010 sprachen sich 53 Prozentpunkte für die Abschiebung ausländischer Straftäter aus. Daher ist es nicht so, dass es in der Schweiz eine besondere Abneigung gegen ein bestimmtes Volks gibt. Die in der Schweiz als edle neutrale Eigenschaft bezeichnete wird mehr als Präferenz für die Isolation wahrgenommen.

Dennoch ist das Verständnis für die dortigen Deutsche von verblüffenden Befürchtungen durchdrungen. Wenn man viele schweizerische Massenmedien oder Diskussionsforen lest, wenn man mit Schweizerinnen und Schweizer kommuniziert, hat man den Anschein, dass die Wünsche in Deutschland nach einer Integration der Schweiz gross sind. Vergleicht man, wie wenig über die Schweiz in Deutschland geschriebe und gesagt werde, so wird deutlich, wie skurril diese Vorstellung ist.

In Deutschland wird kaum über Deutschland von Deutschen und Schweizern geredet, es sei denn, ein 16-jähriger Mensch aus der Schweiz siegt in einer Casting-Show. Die Beziehung zwischen der Schweiz und Deutschland ist in der Schweiz ein ständiges Thema und die extrem unbedenkliche 16-Jährige in der extrem unbedenklichen Casting-Show wird oft von einem Gefühlserlebnis begleitet:

Eine Schweizerin als deutsche Superstars, was für ein Glück! Andererseits würde es in Deutschland kaum jemanden interessiert, wenn ein Deutsche zu einem schweizerischen Superhelden würde. So befindet man sich als Deutschsprachiger in der Schweiz in einer dauerhaft absurden Zeit. Es wird fast jeder einzelne gesagte Text betrachtet und auch alle anderen Aktionen des Alltags daraufhin geprüft, ob sie nicht als typischerweise deutsch und damit natürlich ablehnend interpretiert werden.

Auf jeden Fall habe ich mich von Europa nicht so weit weggefuehlt wie lange Zeit in der Schweiz. Er wird Ende dieses Jahr nach Deutschland zurückkehren.

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